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Produkt-Bild: Das war ich nicht

Das war ich nicht von Kristof Magnusson

Gebundene Ausgabe von Kunstmann
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 13,90

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3888975824, Erscheinungsdatum: Januar 2010, Auflage: 5
Zoom ± Produkt-Bild: Das war ich nicht

4 Kundenrezensionen:

Drei Lebensläufe die im Strudel der Wirklichkeit ineinander geraten / Hörbuchrezension!
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Bei dem Hörbuch DAS WAR ICH NICHT von Kristof Magnusson habe ich spontan sofort an einen anderen Titel gedacht als ich die drei CDs mir anhörte - eher DAS BIN ICH NICHT wäre treffender gewesen, denn es läuft einen doch kalt den Rücken herunter wenn man mit anhört, was die drei Protagonisten zusammenbringt und wie sie sich - teils unabsichtlich - immer mehr ins Chaos verstricken. Mit keinem der Drei möchte ich tauschen und Kristof Magnusson schafft es sowohl mit humorvollen Details wie auch mit harter Feder uns eine Situationsanalyse der heutigen Gesellschaft am Rande des Finanzkollaps zu liefern. Gier, weltfremde Gedanken und auch Dummheit zeigen die Instabilität des ganzen Systems. Der Strudel dreht sich immer schneller und alle drei Protagonisten werden in den Orkus gesogen.

Drei Lebensläufe, drei Sprecher, drei Geschichten, sie alle haben am Anfang nur wenig oder gar nichts miteinander zu tun, doch im Laufe der Hauptgeschichte kommen sie sich unwillkürlich immer näher, verstricken sich ineinander und werden abhängig voneinander.

Geld, Liebe und das Überleben im Allgemeinen sind die Antriebsfedern eines jeden Einzelnen von ihnen, der eine ein gefeierter Buchautor in der Sinn-/ und Schaffenskrise, die andere eine Übersetzerin ohne Auftrag aber mit jeder Menge Schulden und noch der dritte im Bunde, ein mittelmäßiger Bankmitarbeiter mit größenwahnsinnigen Ideen seine Fehlspekulationen zu kaschieren.

DAS WAR ICH NICHT von Kristof Magnusson hörte ich mit sehr großem Interesse an, immer tiefer riss mich das Hörbuch in den Sumpf von Wahnsinn und grotesken Vorstellungen über die Wirklichkeit der Protagonisten.

Grandios in einer dreischichtigen und abwechselnden Lesung von Dietmar Mues, Jens Harzer & Fritzi Haberlandt vorgetragen, treibt man von Gedankenstrom zu Gedankenstrom der Protagonisten, wird hinabgezogen, aus der Wirklichkeit katapultiert und in die Phantasien der Menschen wie Du und Ich gestoßen.

Ein Hörbuch mit Gegenwartsbezug, unheimlich, direkt und schonungslos erleben wir das Desaster mit, werden ein Teil davon und mitschuldig - sind wir nicht ebenso - hätten wir es nicht auch so gemacht?

Teils sind die Abhängigkeiten komisch, doch auch berührend und stimmen einen traurig. Wie konnte es nur dazu kommen - ist treffend ausgerufen - denn mit DAS WAR ICH NICHT von Kristof Magnusson ist dem Autoren ein großer Wurf gelungen, so in etwa dem Vergleichbar - hinter dem der eine Protagonist, ein Pulitzerpreisträger, her war - ein literarisch großer Wurf.

Mit DAS WAR ICHT NICHT offenbart sich die ganze schräge Komik des Bankensystems, der Gier nach Geld, Erfolg und Bonuszahlungen aber auch die Verletzlichkeit des Einzelnen, die Tragik einer nicht vorhandenen stabilen Zukunft.

Wir sehen die Unausweichlichkeit des Endes voraus und hoffen weiter, wir sehen die Katastrophe die sich anbahnt und denken noch an das kleine Glück und wir sehen die Dummheit der Gesellschaft , ganz offensichtlich - und doch geht es weiter und weiter.

Ein wunderbares Hörbuch, ein fiktiver Krimi könnte nicht besser sein!

Sehr empfehlenswert!
Mit der Bitte um Fortsetzung
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein Buch, das diebisch glücklich macht. Eine Geschichte die Spaß macht und man nicht anders kann, als zu hoffen, dass es eine Fortsetzung gibt!
Ein kleiner Tom Wolfe
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Vorneweg: Mich stört es kolossal, wenn wieder auf dem Unterhaltungswert herumgepocht wird, unter dem ein Buch zu "leiden" habe. Ein Buch kann auch mehr oder minder anspruchsvoll bzw. gedankenvoll sein, wenn es leicht zu lesen ist und dem Leser Freude dabei bereitet. Falls man mir nicht glaubt, sei hier als Autoritätsargument Großmeister Borges zitiert: "Für mich ist auch die Literatur eine Form der Freude. Wenn wir etwas mit Mühe lesen, dann ist der Autor gescheitert."
Was der hamburgische Isländer (oder isländische Hamburger) Kristof Magnusson hier vorlegt, ist herrlich zu lesen und höchst interessant. Keine Kopfschmerz hervorrufende deutsche Qualliteratur, sondern geradazu angelsächsische Humorigkeit, Ironie und Rasanz. Es wird eingewiesen in die Welt der Banker, wie man sie aus "The Bonfire of the Vanities" kennt. Wie in einem unwichtigen Nebensatz geht - absichtsvoll - die eigentliche Unverschämtheit unter, nämlich dass die an der Finanzkrise Schuldigen ungeschoren davonkommen. Natürlich hegt man Sympathie für den trotteligen Jasper, der sie nicht verdient hat - genauso wie für die andere gescheiterte Mittdreißiger-Existenz Meike. Der Roman stellt diese Figuren vor, lässt den Leser ihr Freund werden, und dabei steht zwischen den Zeilen, dass diese Freundschaft ambivalent ist. Eigentlich sind alle drei Romanfiguren nämlich asozial, Jasper sogar kriminell. Trotzdem mag man sie. Dies erinnert mich durchaus an Figuren großer Schriftsteller wie Tom Wolfe. Wem dieser Vergleich ein zu wagnisreicher long straddle darstellt, braucht das Buch ja nicht zu lesen. Wie dem auch sei, in Deutschland ist Unterhaltung ein Synonym für Bedeutungslosigkeit. Daher gehen Buchpreise (meistens) an Autoren wie Katharina Hacker, deren Buch so unterhaltsam ist wie Gras beim Altern zuzuschauen.
Bisschen konstruiert und unoriginell, dennoch auch klug und v.a. unterhaltsam
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Kristof Magnussons Roman "Das war ich nicht" ist aus meiner Sicht ganz erstaunlich: unorigenelle Themen werden vorhersehbar verarbeitet, 3 Biographien werden künstlich miteinander in Beziehung gebracht und das ganze ist insgesamt sicher keine große Literatur, aber wunderbar unterhaltsam.

Natürlich muss man in diesen Tagen etwas über die Finanzjongleure in den Banken schreiben, irgend ein Autor musste diesen Elfmeter ja verwandeln. Magnusson also! Da ein Finanzanalyst alleine vielleicht doch langweilig geworden wäre, webt Magnusson noch 2 Figuren ein: einen höchst erfolgreichen Schriftsteller als Projektionsfläche für die eigenen Karrierewünsche und eine Übersetzerin - eine weibliche Person musste ja dabei sein und Magnusson ist ja auch Übersetzer.

Die 3 Figuren haben anfangs nicht viel miteinander zu tun. Die beiden Männer arbeiten in völlig verschiedenen Branchen, Schriftsteller und Übersetzerin kennen sich nicht, aber zufällig ist sie zu DER Übersetzerin für seine Romane geworden. Wie die 3 zusammenfinden und was sie dann miteinander erleben erinnert ein wenig an die Verwechslungskomödien in den 50er und 60er Jahren mit z.B. Peter Alexander, wobei ich so gemein vielleicht doch nicht sein sollte - dass sich bei mir immer IM NACHHINEIN der Eindruck eingestellt hat: war ja klar, dass es so weitergehen musste, mag Einbildung von meiner Seite sein, denn schlussendlich muss ich gestehen: ich war nahezu permanent gespannt, wie der Autor nun fortfahren würde, wie weit er dieses Thema ausschlachtet und wie weit er bei jenem geht, was er sich traut. Ich war nie heftig überrascht, aber ich war auch nie gelangweilt. Das Eintreten der einen Person in das Leben der anderen und das Einflussnehmen wirkte irgendwie immer konstruiert und doch irgendwie nicht so künstlich, dass es vollkommen unglaubwürdig gewesen wäre.

Das Oberthema des ganzen Romans ist dabei die Frage, inwieweit es sich wirklich lohnt, allzu heftig in Beruf und Karriere zu investieren, wenn am Ende doch nur Spießbürgertum, Konsumwut oder/und eine Karriere um ihrer selbst Willen herauskommt. Auch kein ganz neues Thema, aber eben auch keines, das an Aktualität verloren hätte.

Was können Sie erwarten?
Ein paar lehrreiche Erklärungen zur Finanzwelt, eine unterhaltsame, flotte Dreiecksgeschichte, die insofern originell ist als das Thema "Liebe" eher eine Nebenrolle einnimmt und von anderen Themen überlagert wird und eine Reihe zeitlos aktueller Fragen zum Thema: "Ist Karriere und Erfolg wirklich alles und sind diese beiden Dinge um ihrer selbst Willen erstrebenswert?"

Fazit: Empfehlenswert, wenn auch nicht herausragend!
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Produkt-Bild: Zuhause

Zuhause von Kristof Magnusson

Gebundene Ausgabe von Kunstmann
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 14,99

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 388897402X, Erscheinungsdatum: August 2005, Auflage: 3., Aufl.
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Aus der Amazon.de-Redaktion


War dies tatsächlich das weihnachtliche Zuhause, auf das Lárus Lúðvigsson sich so gefreut hatte? Wie verändert dieses Jahr alles war. Schon das Einwohnerregister hatte ihn als ?tot? ausgespuckt. Dann hatte Matilda, die alte Freundin, ihm gleich nach seiner Ankunft aus Deutschland eröffnet, dass sie sich von Svend getrennt hatte. Lárus selbst trauerte Milan hinterher, der ihm in Hamburg den Laufpass gegeben hatte. Zu allem Überdruss hatte ihm auch noch ein gewisser ?dj différance? ein festlich blaues Auge geschlagen, nachdem Lárus im ?kaffi gógó?, seiner Lieblingsdisco, die Plattenlegerqualitäten des Franzosen mit einem soliden Flaschenwurf kommentiert hatte. Island konnte schon ganz schön düster sein!
Wie düster und eisgrau, dies schildert Kristof Magnusson in seinem Romanerstling mit einer sprachlichen Präzision und einem Humor, die schlicht staunen machen. Ganz Reykjavík und Umgebung gerät bei ihm zur matschig frostigen, von Neonröhren kalt bestrahlten Dramenbühne, die, wie der Autor selbst bemerkt, durchaus an David Lynch-Filme denken lässt. Auch das Personal lässt an Skurrilität keine Wünsche offen. Auf Lárus und Matildas nächtlichen Streifzügen stoßen sie auf den mysteriösen Dagur, einen ehemaligen Mitschüler. Merkwürdig genug, rettet der Spross der reichsten Familie Islands aus seiner brennenden (!) Wohnung fieberhaft Gegenstände, darunter die zerschlissene Ausgabe einer alten Einwanderer-Saga.
Fast unmerklich lässt Magnusson in sein isländisches Nocturne -- neben den großen existentiellen Fragen nach Liebe und Sinnhaftigkeit des Lebens -- eine Thrillerhandlung einfließen. Matilda beschließt, in Dagurs WG zu ziehen. Verzweifelt hofft sie, zwischen allerlei Globalisierungsgegnern und attac-Leuten eine Heimstatt zu finden. Auch Lárus findet diese, allerdings im Bett von Dagur, dem Verschlossenen. Dann tost die winterliche Dramenbühne und Lárus stößt auf eine uralte Familiengeschichte und ein düsteres Geheimnis!
Die nacherzählte Handlung gibt den inneren Reichtum des Werkes nur unzureichend wieder. In Magnussons Debüt dominieren Stimmungen und Bilder. Seine treffsicheren Metaphern, der fein gesponnene Humor und die Schilderung einer Welt, in der ?der Weihnachtsschmuck auf der Vesturgata auch um halb elf noch heller leuchtete als der Morgen? zählen zum Feinsten, was in diesem Herbst auf den Büchertischen anzutreffen ist. --Ravi Unger
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4 Kundenrezensionen:

Liest sich gut weg
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Eine eigentlich ziemlich seichte und manchmal auch sehr übertriebene Story, aber der Erzählstil und auch die tollen Figuren machen einiges wieder wett. Auf jeden Fall für längere Zugfahrten, Strand oder ähnliches geeignet, da man sich nicht wirklich konzentrieren muss, aber auch nicht dabei einschläft.
Lakritz mit Schokolade und schräge Vögel
5 Punkte 5 von 5 Punkten
das Buch mit Begeisterung verschlungen, wusste ich bei Ankunft in Reykjavik, wo ich meinen Kaffee am besten trinke, war über den Stau der Autos auf der Haupteinkaufsstraße nicht erstaunt, kaufte als erstes Lakritz mit Schokolade, und habe mich immer wieder gefragt, welches Haus es wohl gewesen sein könnte, dass in Flammen aufgegangen ist.
Die ausführlichen Informationen zu Wasservögeln und den Vögeln in der Stadt haben mich erheitert und erst in Island selbst habe ich begriffen, dass diese Insel Lebensraum vor allem für "schräge" Vögel ist.

Erst als ich durch Reykjavik lief, habe ich verstanden!!!

Sehr empfehlenswert..... gerne mehr Kristof Magnusson!
Zuhause in Island und Deutschland
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Mir hat dieses Buch gut gefallen, deshalb möchte ich es hier empfehlen.
Eine echte Stadtgeschichte, mit subtilem Humor unterlegt, die Schreibweise und die Dialoge sind sehr pointiert und in der Gegenwart.
Die Hauptperson ist schwul, aber es ist deshalb trotzdem kein Schwulenroman im klassischen Sinne. Die Story würde auch mit anderen Akteuren funktionieren (auch wenn ich persönlich gerade deshalb darauf aufmerksam wurde).
Island, die "verunglückte Laubsägearbeit"...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
...ist der (Haupt-)Schauplatz des 1. Romans von Kristof Magnusson. "Held" (eigentlich "Anti-Held") ist Larus, der zum Weihnachtsfest aus Hamburg, wohin sein Vater samt Kindern nach dem Tod der Ehefrau ausgewandert war, angereist kommt. Allerdings verläuft der Aufenthalt in der alten Heimat anders, als der Held ihn sich vorgestellt hat: laut isländischem Melderegister ist er beits tot; auf seinen Freund Milan hofft er vergebens; dazu gibt es noch einige Ungereimtheiten in der eigenen Familiengeschichte. Die Ereignisse beginnen sich - nicht ohne kräftiges Zutun unseres Helden - zu überschlagen...
Kristof Magnusson ist mit diesem Roman ein sensationelles Debüt gelungen. Das Werk fesselt in mehrfacher Hinsicht: einerseits als der Roam einer Familie, die so einige "Leichen im Keller hat"; andererseits als als der Roman eines Suchenden (Larus), der (noch) nicht weiß, wo sein Platz in der Gesellschaft ist. Dass der Roman, der auch sprachlich überzeugt, daneben noch spannend wie ein Krimi ist, muss extra erwähnt werden.
Alles in allem: Ein toller Debütroman, der - wie man so schön sagt - "zu den schönsten Hoffnungen berechtigt". Dass der Schriftsteller für dieses Debüt den "Rauriser Literaturpreis 2006" erhielt, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt!
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Produkt-Bild: Männerhort: Eine Komödie

Männerhort: Eine Komödie von Kristof Magnusson

Broschiert von Verlag der Autoren
Preis bei Amazon: EUR 9,00

ISBN: 3886612864, Erscheinungsdatum: Dezember 2005, Auflage: 1
Zoom ± Produkt-Bild: Männerhort: Eine Komödie
Produkt-Bild: Zuhause: Roman

Zuhause: Roman von Kristof Magnusson

Taschenbuch von Goldmann Verlag
Angebote ab EUR 9,90

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3442462843, Erscheinungsdatum: Juli 2007
Zoom ± Produkt-Bild: Zuhause: Roman

Aus der Amazon.de-Redaktion


War dies tatsächlich das weihnachtliche Zuhause, auf das Lárus Lúðvigsson sich so gefreut hatte? Wie verändert dieses Jahr alles war. Schon das Einwohnerregister hatte ihn als ?tot? ausgespuckt. Dann hatte Matilda, die alte Freundin, ihm gleich nach seiner Ankunft aus Deutschland eröffnet, dass sie sich von Svend getrennt hatte. Lárus selbst trauerte Milan hinterher, der ihm in Hamburg den Laufpass gegeben hatte. Zu allem Überdruss hatte ihm auch noch ein gewisser ?dj différance? ein festlich blaues Auge geschlagen, nachdem Lárus im ?kaffi gógó?, seiner Lieblingsdisco, die Plattenlegerqualitäten des Franzosen mit einem soliden Flaschenwurf kommentiert hatte. Island konnte schon ganz schön düster sein!
Wie düster und eisgrau, dies schildert Kristof Magnusson in seinem Romanerstling mit einer sprachlichen Präzision und einem Humor, die schlicht staunen machen. Ganz Reykjavík und Umgebung gerät bei ihm zur matschig frostigen, von Neonröhren kalt bestrahlten Dramenbühne, die, wie der Autor selbst bemerkt, durchaus an David Lynch-Filme denken lässt. Auch das Personal lässt an Skurrilität keine Wünsche offen. Auf Lárus und Matildas nächtlichen Streifzügen stoßen sie auf den mysteriösen Dagur, einen ehemaligen Mitschüler. Merkwürdig genug, rettet der Spross der reichsten Familie Islands aus seiner brennenden (!) Wohnung fieberhaft Gegenstände, darunter die zerschlissene Ausgabe einer alten Einwanderer-Saga.
Fast unmerklich lässt Magnusson in sein isländisches Nocturne -- neben den großen existentiellen Fragen nach Liebe und Sinnhaftigkeit des Lebens -- eine Thrillerhandlung einfließen. Matilda beschließt, in Dagurs WG zu ziehen. Verzweifelt hofft sie, zwischen allerlei Globalisierungsgegnern und attac-Leuten eine Heimstatt zu finden. Auch Lárus findet diese, allerdings im Bett von Dagur, dem Verschlossenen. Dann tost die winterliche Dramenbühne und Lárus stößt auf eine uralte Familiengeschichte und ein düsteres Geheimnis!
Die nacherzählte Handlung gibt den inneren Reichtum des Werkes nur unzureichend wieder. In Magnussons Debüt dominieren Stimmungen und Bilder. Seine treffsicheren Metaphern, der fein gesponnene Humor und die Schilderung einer Welt, in der ?der Weihnachtsschmuck auf der Vesturgata auch um halb elf noch heller leuchtete als der Morgen? zählen zum Feinsten, was in diesem Herbst auf den Büchertischen anzutreffen ist. --Ravi Unger
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften

4 Kundenrezensionen:

Liest sich gut weg
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Eine eigentlich ziemlich seichte und manchmal auch sehr übertriebene Story, aber der Erzählstil und auch die tollen Figuren machen einiges wieder wett. Auf jeden Fall für längere Zugfahrten, Strand oder ähnliches geeignet, da man sich nicht wirklich konzentrieren muss, aber auch nicht dabei einschläft.
Lakritz mit Schokolade und schräge Vögel
5 Punkte 5 von 5 Punkten
das Buch mit Begeisterung verschlungen, wusste ich bei Ankunft in Reykjavik, wo ich meinen Kaffee am besten trinke, war über den Stau der Autos auf der Haupteinkaufsstraße nicht erstaunt, kaufte als erstes Lakritz mit Schokolade, und habe mich immer wieder gefragt, welches Haus es wohl gewesen sein könnte, dass in Flammen aufgegangen ist.
Die ausführlichen Informationen zu Wasservögeln und den Vögeln in der Stadt haben mich erheitert und erst in Island selbst habe ich begriffen, dass diese Insel Lebensraum vor allem für "schräge" Vögel ist.

Erst als ich durch Reykjavik lief, habe ich verstanden!!!

Sehr empfehlenswert..... gerne mehr Kristof Magnusson!
Zuhause in Island und Deutschland
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Mir hat dieses Buch gut gefallen, deshalb möchte ich es hier empfehlen.
Eine echte Stadtgeschichte, mit subtilem Humor unterlegt, die Schreibweise und die Dialoge sind sehr pointiert und in der Gegenwart.
Die Hauptperson ist schwul, aber es ist deshalb trotzdem kein Schwulenroman im klassischen Sinne. Die Story würde auch mit anderen Akteuren funktionieren (auch wenn ich persönlich gerade deshalb darauf aufmerksam wurde).
Island, die "verunglückte Laubsägearbeit"...
5 Punkte 5 von 5 Punkten
...ist der (Haupt-)Schauplatz des 1. Romans von Kristof Magnusson. "Held" (eigentlich "Anti-Held") ist Larus, der zum Weihnachtsfest aus Hamburg, wohin sein Vater samt Kindern nach dem Tod der Ehefrau ausgewandert war, angereist kommt. Allerdings verläuft der Aufenthalt in der alten Heimat anders, als der Held ihn sich vorgestellt hat: laut isländischem Melderegister ist er beits tot; auf seinen Freund Milan hofft er vergebens; dazu gibt es noch einige Ungereimtheiten in der eigenen Familiengeschichte. Die Ereignisse beginnen sich - nicht ohne kräftiges Zutun unseres Helden - zu überschlagen...
Kristof Magnusson ist mit diesem Roman ein sensationelles Debüt gelungen. Das Werk fesselt in mehrfacher Hinsicht: einerseits als der Roam einer Familie, die so einige "Leichen im Keller hat"; andererseits als als der Roman eines Suchenden (Larus), der (noch) nicht weiß, wo sein Platz in der Gesellschaft ist. Dass der Roman, der auch sprachlich überzeugt, daneben noch spannend wie ein Krimi ist, muss extra erwähnt werden.
Alles in allem: Ein toller Debütroman, der - wie man so schön sagt - "zu den schönsten Hoffnungen berechtigt". Dass der Schriftsteller für dieses Debüt den "Rauriser Literaturpreis 2006" erhielt, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt!
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Produkt-Bild: Dänen lügen nicht: Kuriose Geschichten aus Skandinavien

Dänen lügen nicht: Kuriose Geschichten aus Skandinavien

Broschiert von Piper
Preis bei Amazon: EUR 8,95, Angebote ab EUR 4,83

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3492259162, Erscheinungsdatum: April 2010
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2 Kundenrezensionen:

Skandinavien anders
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Für Fans dieser lieben und manchmal seltsamen Menschen das ultimative Buch. Viele nette kurze Episoden über meine Lieblingsreiseziele!
Ein schönes Buch auch zum Verschenken an Skandinavienfans und die, die es noch werden sollen!
Die abgewandelte Schlagerzeile als Titel sagt schon viel über den feinsinnigen Humor aus!
Licht und Schatten
3 Punkte 3 von 5 Punkten
"Dänen lügen nicht" - der Titel und das dazugehörige Cover lassen fälschlicherweise den Eindruck entstehen, dass es sich hierbei um ein eher witziges Buch handelt. Das ist allerdings nur bedingt der Fall - bei den meisten Kurzgeschichten überwiegt eine gewisse Melancholie. Das Buch enthält 19 Kurzgeschichten von 19 deutschsprachigen Autoren, die entweder direkt oder indirekt etwas mit den skandinavischen Ländern zu tun haben.

Wie rezensiert man ein Buch mit Kurzgeschichten? Ich versuchs es mal mit Mini-Rezensionen und Einzelbewertungen.
*
1. Alex Capus "Curlingsteine auf der Ostsee"
Eine recht heitere Geschichte über einen missglückten Trip nach Kopenhagen. 3/5
*
2. Roger Willemsen "Isafjödur"
Die gerade mal gut drei Seiten kurze Geschichte besticht durch eine schöne, stimmungsvolle Beschreibung des isländischen Städtchens Isafjödur. 4/5
*
Antje Rávic Strubel "Kirschen im August"
Was eigentlich als schöne Motorradtour in Norwegen geplant war, entpuppt sich als Alptraumurlaub im Dauerregen - einer meiner Favoriten dieses Buches. 5/5
*
Herbert Feuerstein "Der grüne Blitz"
Herbert Feuerstein, wie man ihn kennt: Auf unvergleichbar witzige und geistreiche Art beschreibt er seine Eismeer-Kreuzfahrt und die unvermeidlichen Tücken des Pauschal-Tourismus - eine meiner beiden Lieblingsgeschichten! 5/5
*
Sibylle Berg "Von Elfen, Blondinen und Angebern"
Ein sehr unterhaltsamer Einblick in die Seele der Isländer, schön geschrieben. 4/5
*
Sasa Stanisic "Mo und ich für die Dauer der Reise"
Der Titel repräsentiert hervorragend den Stil dieser seltsamen Story: Damit konnte ich rein gar nichts anfangen. Den Schreibstil fand ich dermaßen nervtötend, dass ich den Text irgendwann bloß noch überflog und fünf Seiten vor Schluss entnervt aufgab. 1/5
*
Jakob Hein "Das Phantom"
Nach der schwächsten Geschichte kommt die beste: "Das Phantom" handelt von einem extrem menschenscheuen Bewohner eines Stockholmer Studentenwohnheims und ist neben der Kurzgeschichte von Herbert Feuerstein mein zweiter Favorit des Buches. Jakob Heins satirischer Witz trifft genau meinen Geschmack - schade nur, dass diese Episode so kurz ist! 5/5
*
Klaus Nüchtern "Die Augen der Finninnen"
Hier beschreibt der Autor den kulturellen Gegensatz dieses Landes irgendwo zwischen Nordeuropa und Russland - leider ein bisschen dröge für meinen Geschmack. 3/5
*
Katja Lange-Müller "Das wäre es vielleicht gewesen..."
Und nochmal Finnland. Diesmal geht es um eine finnische Apothekerin, die der Autorin ihr ureigenes Patent, einen grotesken Stützstrumpf, verkaufen will. Recht witzig und unterhaltsam. 3/5
*
Jo Lendle "Tipps für die Wildnis"
Ein junger Mann bricht mt unzureichender Ausrüstung zu einer Wandertour in Schweden auf. Eine leise Geschichte, die von ihrer Wildromantik profitiert. 3/5
*
Annette Pehnt "Wie in Schweden"
Ein lang geplanter Familienurlaub nach Schweden scheitert an der plötzlichen schweren Erkrankung der Mutter. Im nächsten Jahr versucht man einen zweiten Anlauf... Diese bedrückende Geschichte ist trotz ihrer deprimierenden Grundstimmung eine der besten dieses Buches. 5/5
*
Ingo Schulze "Nach Finnland"
Eine ziemlich belanglose Episode, die den Leser in die abgelegensten Winkel Finnlands versetzt. 2/5
*
Thomas Pletzinger "Quality for Life"
Der Autor besucht eine Koryphäe der Orthopädietechnik in dessen Haus in Schweden. Klingt langweilig? Ist es auch, höchstens für beinharte IKEA-Fans interessant, da man haufenweise mit den Namen der schwedischen Möbelstücke bombardiert wird. 1/5
*
Robin Thiesmeyer "Nowhere Man"
Dieser Trip in die Hippiestadt Christiania könnte ganz spannend sein, leider konnte ich nicht viel damit anfangen. 2/5
*
Maike Wetzel "Trollst du dich"
Ein Mann wacht eines Tages mit einem Trollschwanz auf. Sehr abgefahren - aber witzig geschrieben. 3/5
*
Hans-Ulrich Treichel "Dänemark war überwältigend"
Diese Geschichte besticht durch die ruhige, entspannende Atmosphäre - fast wie ein kleiner Urlaub. 4/5
*
Mareike Krügel "Kleiner Eingriff"
Eine Frau macht allein Urlaub auf einem schwedischen Zeltplatz. Obwohl fast nichts passiert und das Interessanteste an dieser Kurzgeschichte noch die Beschreibung einer frisch genähten Wunde ist, mochte ich diese Story irgendwie. 4/5
*
Robert Löhr "Skaldenmet"
Was als literarisches Festival in Reykjavík beginnt, endet als archaischer Tript in die Mythen Islands - zu verworren für meinen Geschmack. 2/5
*
Fazit: Von diesem Buch habe ich mir insgesamt mehr versprochen. Bis auf wenige Ausnahmen konnten mich die Geschichten nicht wirklich fesseln. Skandinavien-Fans kommen sicher auf ihre Kosten, alle anderen sollten sich angesichts des hohen Preises die Anschaffung dieses Büchleins zweimal überlegen.
© 1998-2010 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Produkt-Bild: Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen

Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen von Hallgrímur Helgason

Gebundene Ausgabe von Tropen Bei Klett-Cotta
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 13,00

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3608501088, Erscheinungsdatum: Mai 2010, Auflage: 3., Aufl.
Zoom ± Produkt-Bild: Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen

4 Kundenrezensionen:

Viel schwarzer Humor
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Toxic hat ein Problem: Er ist ein Auftragskiller und bei seinem letzten "Fall" ist einiges schief gegangen. Vom FBI gejagt, bringt er einen Geistlichen um und nimmt seine Identität an. Sein Weg führt ihn nach Island...

Schon die Beschreibung des Buches fand ich echt klasse! Und beim Lesen habe ich schnell rausgefunden: Das ganze Buch ist top! Von der ersten bis zur letzten Seite, habe ich das Lesen sehr genossen.

Der Erzählstil aus der Ich-Perspektive passt wunderbar und man konnte wirklich mit Toxic "mitleiden". Sein Weg führt ihn von einem Schlamassel in das Nächste. Und doch sieht es so aus, als wenn alles ein gutes Ende hätte... Mit seiner "Butterblondine" und einigen "Freunden", die ihn nicht aufgeben wollen, tritt er seinen Weg in ein neues Ich an.

Das Buch beinhaltet eine Menge feine Ironie, Witz und schwarzen Humor. Und gegen Ende gibt es sogar einige Passagen, die zum Nachdenken anregen.

Aber ich fand auch die Beschreibungen eines fremden Landes (Island) wunderbar gelungen und konnte mir bildlich vorstellen, wie die Umgebung und die verschiedenen Unterschlupfe von Toxic aussahen.

Alles in allem ein gelungenes Buch, welches ich auch ein zweites oder drittes Mal lesen würde!
Mit kleinen Schwächen
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Tomislav Boksic ist Auftragskiller für die kroatische Mafia. Gemeinsam mit seiner südamerikanischen Freundin Munita Rosales lebt der aus Split in Kroatien stammende Tomislav in New York, Amerika. Unter dem Decknamen Toxic verbreitet er Angst und Schrecken, denn er führt seine Aufträge stets sehr gründlich aus. Doch dann geht etwas schief. Bei seinem 66. Auftragsmord wird Toxic vom FBI erwischt. Nur mit viel Mühe und knapper Not kann er den Polizisten entkommen und beschließt nun, sich ins Ausland, nach Zagreb abzusetzen. Unter dem Namen Igor Illitsch versucht Toxic also, das Land zu verlassen. Doch der amerikanische Statt hat auf Toxics 66. Mord reagiert und so wimmelt es am Flughafen von New York von Undercoveragenten. Als Toxic dies bemerkt, versteckt er sich in einer Herrentoilette. Dort bringt er den freundlichen Pastor David Friendly um und nimmt dessen Identität an. Mit Hilfe dessen Papiere gelingt es Toxic, nach Island auszureisen, wo Mr. Friendly am Flughafen bereits von zwei Einheimischen erwartet wird...

Der gesamte Roman ist in einer leichten und flüssigen Sprache verfasst, die sich sehr schön lesen lässt. Schon zu Beginn des Buches konnte ich es kaum aus der Hand legen, da es an vielen Stellen spannend ist, aber an anderen Stellen auch zum Brüllen komisch war. Leider störten mich manche Vergleiche von Toxic, die ich an manchen Stellen unangebracht fand und die sich fast nach jedem zweiten Satz fanden. So kategorisiert er zum Beispiel alle Frauen, denen er begegnet nach Tagen. An eine Tag 6 Frau würde er wenn sie die einzige Frau in der Nähe wäre, also am 6. Tag beginnen zu denken. Der schwarze Humor und die Wortspielereien sind einfach grandios. Selbst in den heikelsten Situationen fällt Toxic immer wieder ein cooler Spruch oder sarkastischer Kommentar ein, der mir als Leserin das ein oder andere Schmunzeln entlocken konnte. Jedoch benötigt man eine gewisse Einlesezeit, da man sich zuerst an die morbide, bissige und sehr rabiate Sprache des Auftragskillers gewöhnen muss. Dieser betrachtet im Buch meist nüchtern und emotionslos sein Leben und erst am Ende des Buches zeigt auch der eiskalte Killer Gefühle.Im Verlauf des Romans erfährt man immer mehr Details aus dem Leben von Toxic. Oft erzählt Toxic dem Leser von seinem traurigen Schicksal im Krieg, von den harten Verhältnissen in seiner Familie und man darf auch erfahren, wie der nette Junge Tomislav Boksic zum Auftragskiller wurde. Erst wenn man den Roman zu Ende gelesen hat, kann man die ganzen Teile zu einem fertigen Puzzle zusammensetzen und hat dann eine klare Vorstellung von der Figur Toxic. Alle anderen Personen werden aus der Sicht Toxics charakterisiert. Man kann also nicht genau sagen, wie die einzelnen Protagonisten objektiv betrachtet aussehen und handeln. Durch diese einseitige Betrachtungsweise fehlt leider einigen Charakteren der Tiefgang, obwohl die Person an sich gut beschrieben wird. So finde ich es zum Beispiel sehr schwer, einen genaueren Bezug zu Zickrita aufzubauen und ich weiß auch am Ende des Romans nicht genau, wie ich sie einschätzen soll.Inmitten vieler komischer Stellen finden sich jedoch auch nachdenkliche und sentimentale Passagen. Meist treten diese auf, wenn sich Toxic an den Krieg oder an seine ermordete Freundin Munita erinnert. Auch der Selbstmordversuch zeugt vom wankelmütigen Charakter Toxics, der in Island nicht zurechtkommt und erst durch Gunnhildur lernt, dort zu leben. Durch diese vielen Facetten des Auftragskillers ist es dem Autor sehr gut gelungen, dessen Seelenzustand zu beschreiben. Auch die Wandlung des Killers zum netten Familienvater ist Hallgrímur Helgason gut und glaubwürdig gelungen, obwohl es sich hier um einen 180° Lebenswandel handelt.

Mit diesem Roman ist Hallgrímur Helgason ein wirkliches Kunststück gelungen, das durch schwarzen Humor und eine derbe Sprache glänzt. Jedoch ist das Buch nichts für weiche Gemüter, da die Beschreibungen teils sehr morbide sind. Und auch jeder, der ein offenes Ende nicht mag, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Die Geschichte endet nämlich sehr abrupt und man kann sich leider auch nicht wirklich vorstellen, wie es mit Toxic nun weitergehen soll. Man fühlt sich so leider um weitere 10 Seiten betrogen. Mir persönlich hätte ein Happy End in Island gut gefallen, aber das ist alles Ansichtssache.
Groteske mit Tiefgang
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Hallgrímur Helgason ist in Deutschland vor allem durch den Roman
101 Reykjavík (dt. 2002) und seine Verfilmung bekannt geworden.
Nach den Romanen Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein (2005)
und Rokland (2006) ist nun ein weiterer erschienen, der den skurrilen
Titel Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu
beginnen trägt. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist einigermaßen
grotesk: Toxic (eigentlich heißt er Tomislav), ein Berufskiller im Auftrag
der kroatischen Mafia in New York, hat nach 65 professionell und eiskalt
nach der Devise MWA (möglichst wenig Aufsehen) ausgeführten Morden
bei seinem 66. einen Fehler gemacht. Das Opfer entpuppte sich als
ein getarnter FBI-Mann, und nun ist es natürlich mit der Diskretion vorbei.
Er muss die USA sofort verlassen und glaubt sich auf dem Flughafen
schon von Detektiven entdeckt und verfolgt. Er sucht Zuflucht in einer
Flughafentoilette, bringt einen Mann in der Nachbartoilette ums Leben
und schlüpft in dessen Identität. Da es sich um Father Friendly, einen
Geistlichen einer amerikanischen Bibelsekte handelt, der zu einem Reykjavíker
Bibelsender unterwegs ist, bleibt Toxic nichts anderes übrig, als
im Talar nach Island zu fliegen und mit frommen Sprüchen den heiligen
Mann zu spielen. Daraus ergeben sich natürlich groteske Situationen und
skurrile Missverständnisse in reicher Fülle, bis die Verkleidung auffliegt
und die Geschichte eine dramatische Wendung nimmt. Da Toxic nicht
nur ein begnadeter Killer, sondern auch ein Frauenheld mit einem
guten Schuss Zynismus ist, fehlt es auch nicht an Liebesgeschichten.
Ein unerschöpfliche Quelle der Komik ist die Sicht auf Island und seine
Bewohner, wie sie dem Leser durch den ständig sprücheklopfenden und
kalauernden Toxic vermittelt wird, der so seine eigenen Kriterien bei
der Beurteilung eines Landes hat. Komisch sind auch die Spiele mit den
isländischen Namen, die dem Autor, der das Buch ursprünglich auf Englisch
geschrieben hat, offenbar großen Spaß gemacht haben. So verballhornt
Toxic etwa Gunhildur zu Gunholder, Sigríur zu Sickreader, Thórur
zu Torture usw. Der Übersetzer ins Deutsche hat sich hier mit Zickrita,
Tortur, Gudmunduhr usw. recht gut aus der Affäre gezogen.
Man kann dieses Buch durchaus als Groteske, Satire oder komischen
Roman lesen. Es hat aber auch eine ernste Ebene, da es die Grausamkeit
des Balkankriegs zum Hintergrund hat, durch dessen traumatisierende
Erlebnisse Toxic erst zum Killer geworden ist. Und mit einigem Recht
fragt er, was denn seine Morde im Vergleich zu den Geschehnissen in
jenem Krieg bedeuten. Doch lassen ihn seine neuen Erfahrungen im friedlichen
Island nicht unbeeindruckt und er beginnt allmählich am Sinn seines
Berufs als Killer zu zweifeln und kommt zu ganz neuen Einsichten.
Gert Kreutzer
Isländische Nächte
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Der Auftragsmörder Tom Boksic muss untertauchen, da sein letztes Opfer sich als getarnter FPI-Agent entpuppt hat. Auf der Flucht tötet er einen Prediger, der auf dem Weg nach Island war, und übernimmt dessen Identität. In Island angekommen muss er vor laufender Kamera einem Gottesdienst beiwohnen, wird kurz darauf enttarnt und verpflichtet sich, um der ausieferung zu entkommen, seinen Glaubensbrüdern gegenüber dem alten Leben abzuschwören und nur mehr Gott zu dienen.
Helgason beginnt den Roman recht spritzig und schafft eine schnelle Verbindung zum Leser. Die Schilderungen eines geborenen" Mörders von der Trostlosigkeit des isländischen Sommers und der Furcht vor einem noch schrecklicheren Winter sind gelungene Unterhaltung. Leider kann ich mich vom letzten Drittel nicht mehr so gut unterhalten lassen. Die Wandlung vom Mörder in einen treusorgenden Familienvater nehme ich Tom Boksic nicht mehr ab. Da helfen auch die Rückblenden auf die Gräuel des Jugoslawienkrieges nicht, die die Gedanken des jungen Kroaten erzählen.
In Summe weder Gemüse noch Fleisch Helgason hätte sich zwischen Krimi oder einer Aufarbeitung des Kriegstraumas entscheiden müssen. So endet der Roman nach starkem Beginn eher in der isländischen Nacht - und die dauert fast 6 Monate.
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Sturmerprobt: Roman von Einar Kárason

Gebundene Ausgabe von btb Verlag
Angebote ab EUR 0,91

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3442751586, Erscheinungsdatum: Februar 2007
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3 Kundenrezensionen:

na, so toll ist das buchnunauch wieder nicht
3 Punkte 3 von 5 Punkten
also, die geschichte ist insgesamt schon nicht schlecht erzählt, nur: ist das wirklich eine geschichte? eher eine lose abfolge von ereignissen. die einzelnen charaktere bekommen kaum tiefe. Ob alles nun ironisch gemeint ist oder nicht, das wird nie wirklich klar. ob die politische unkorrektheit der hauptfigur nun wirklich amüsant ist, weiß ich nicht. mich ärgert der alltagsrassismus, die schwulen- und frauenfeindlichkeit; das dauersufen im buch geht mir auch auf die nerven. warum dennoch drei sterne von mir? nun, man kann das buch schon lesen, es ist unterhaltsam und vom aufbau her ganz gut gemacht. kaufen würde ich es aber echt nur gebraucht... und dann wieder weiterverkaufen, denn im regal muss man es nicht rumstehen haben.
Ein lustiges und unterhaltsames Buch, das die Kulturschickeria des Heimatlandes des Autors auf die Schippe nimmt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Stormur ("der Sturm"), die Hauptfigur in Einar Kárasons auf beste Weise unterhaltsamem Roman, hat es nicht leicht, aber das nimmt er nicht schwer. Er ist in sogenannten schwierigen Verhältnissen aufgewachsen und erhält deshalb, als er die Schule nach der 7. Klasse verlässt, vom Schulleiter eine besondere Belobigung, nämlich dafür, dass er es überhaupt geschafft hat.

Eyvindur Jonsson, so heißt Stormur mit bürgerlichem Namen, setzt seine schulische "Erfolgsgeschichte" fort. Mit seinem fest in den Genen verankerten Hang zur Bequemlichkeit und Faulheit, versteht er es auf das beste, andere, vorzugsweise Frauen, für sich arbeiten zu lassen. War es zunächst seine Mutter, wird diese bald abgelöst von Stefania, die er, zwanzigjährig, heiratet und mit der er zwei Kinder hat.

Arbeiten ist nicht seine Sache, und da in seinem Heimatland Island für solche Schmarotzer doch recht wenig getan wird, wandert er mit seiner Frau und den Kindern nach Odense in Dänemark aus, wo er über viele Jahre die Segnungen des dänischen Sozialstaats in vollen Zügen genießt. Susanne vom Sozialamt in Odense oder er selbst haben immer genug Phantasie, um die Zeit der sozialen Hängematte zu verlängern.

Stormur verträgt eine ganze Menge Alkohol und solange er damit genug bevorratet ist, sieht er optimistisch in die Zukunft. Er hat eine Freund, Sigurbjörn Einarsson, der über Jahre, besonders an den Wochenenden, zum fünften Familienmitglied wird. Mit einer Menge andere Freunde trifft sich Stormur regelmäßig, und seine außerordentliche Fähigkeit und Gabe, auf eine ganz eigene, die Leute begeisternde Art Geschichten, Witze und Anekdoten zu erzählen, bringt ihn durch viele tiefe Gewässer und über steile Lebensklippen.

Eine vorübergehende Episode bleibt sein Aufenthalt in Amerika, wo er dachte, sein großes Glück zu machen. Umso begeisterter nimmt Stormur nach seiner Rückkehr nach Island ein Angebot an, das, so denkt er, ihn zum gemachten Mann machen wird.

Ein Verlag möchte ein Buch publizieren, das, politisch einhundert Prozent korrekt, im Milieu der Obdachlosen und Alkoholiker spielt und glaubt in Stormur den passenden Autor für dieses Werk gefunden zu haben. Er soll das Buch aber nicht selbst schreiben, das soll ein Team von Studenten erledigen. Stormur soll mit seiner frechen Klappe und seinen zweifellos vorhandenen Milieukenntnissen und -erfahrungen für die Öffentlichkeit, das Fernsehen, die Talkshows und die Kulturszene den begnadeten und exaltierten Autor mimen.

Er tut das auch sehr geschickt, wird berühmt, das Buch wird sogar über Wochen ausverkauft als Theaterstück am Staatstheater gespielt, doch Stormur sieht keinen Pfennig Honorar, weil, was keiner sonst weiß, der Verlag, politisch wieder absolut korrekt, in seinem Vertrag festhielt, die Tantiemen sollten Obdachlosenprojekten gespendet werden.
Stormur beginnt sich zu wehren, doch seine Kräfte sind bald am Ende und er sehnt sich in die Hängematte nach Odense in Dänemark zurück.

Das Buch ist von dem zweisprachigen isländischen Autor Kristof Magnusson hervorragend übersetzt. Fast gewinnt man beim Lesen diesen begnadeten Sozialschmarotzer lieb, wie er sich durchs Leben schlängelt und immer wieder auf die Füße fällt. Solange so einfältig geschilderte Frauen wie Stefania solch ein Leben decken und unterstützen, werden solche Männer auch erfolgreich sein.

Doch darum geht es dem Autor nicht hauptsächlich. Er will ein lustiges, unterhaltsames Buch machen, ein Unikum beschreiben und die Verlagsszene und die Kulturschickeria seines Landes kräftig auf die Schippe nehmen.
Und das ist ihm hervorragend gelungen.
Urkomisch
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein total witziger und spritziger Roman. Stormur, der Held des Romans, ist stinkefaul und versucht sich immer wieder im Leben durchzuschummeln. Dabei entstehen Situationen, die urkomisch sind. Diesen kleinen Schmarotzer muss man einfach lieb haben, auch wenn der Leser manchmal am Rande der Verzweiflung ist. Einfach super.
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Sturmerprobt: Roman von Einar Kárason

Taschenbuch von btb Verlag
Preis bei Amazon: EUR 9,00, Angebote ab EUR 2,63

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3442738598, Erscheinungsdatum: November 2008
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3 Kundenrezensionen:

na, so toll ist das buchnunauch wieder nicht
3 Punkte 3 von 5 Punkten
also, die geschichte ist insgesamt schon nicht schlecht erzählt, nur: ist das wirklich eine geschichte? eher eine lose abfolge von ereignissen. die einzelnen charaktere bekommen kaum tiefe. Ob alles nun ironisch gemeint ist oder nicht, das wird nie wirklich klar. ob die politische unkorrektheit der hauptfigur nun wirklich amüsant ist, weiß ich nicht. mich ärgert der alltagsrassismus, die schwulen- und frauenfeindlichkeit; das dauersufen im buch geht mir auch auf die nerven. warum dennoch drei sterne von mir? nun, man kann das buch schon lesen, es ist unterhaltsam und vom aufbau her ganz gut gemacht. kaufen würde ich es aber echt nur gebraucht... und dann wieder weiterverkaufen, denn im regal muss man es nicht rumstehen haben.
Ein lustiges und unterhaltsames Buch, das die Kulturschickeria des Heimatlandes des Autors auf die Schippe nimmt
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Stormur ("der Sturm"), die Hauptfigur in Einar Kárasons auf beste Weise unterhaltsamem Roman, hat es nicht leicht, aber das nimmt er nicht schwer. Er ist in sogenannten schwierigen Verhältnissen aufgewachsen und erhält deshalb, als er die Schule nach der 7. Klasse verlässt, vom Schulleiter eine besondere Belobigung, nämlich dafür, dass er es überhaupt geschafft hat.

Eyvindur Jonsson, so heißt Stormur mit bürgerlichem Namen, setzt seine schulische "Erfolgsgeschichte" fort. Mit seinem fest in den Genen verankerten Hang zur Bequemlichkeit und Faulheit, versteht er es auf das beste, andere, vorzugsweise Frauen, für sich arbeiten zu lassen. War es zunächst seine Mutter, wird diese bald abgelöst von Stefania, die er, zwanzigjährig, heiratet und mit der er zwei Kinder hat.

Arbeiten ist nicht seine Sache, und da in seinem Heimatland Island für solche Schmarotzer doch recht wenig getan wird, wandert er mit seiner Frau und den Kindern nach Odense in Dänemark aus, wo er über viele Jahre die Segnungen des dänischen Sozialstaats in vollen Zügen genießt. Susanne vom Sozialamt in Odense oder er selbst haben immer genug Phantasie, um die Zeit der sozialen Hängematte zu verlängern.

Stormur verträgt eine ganze Menge Alkohol und solange er damit genug bevorratet ist, sieht er optimistisch in die Zukunft. Er hat eine Freund, Sigurbjörn Einarsson, der über Jahre, besonders an den Wochenenden, zum fünften Familienmitglied wird. Mit einer Menge andere Freunde trifft sich Stormur regelmäßig, und seine außerordentliche Fähigkeit und Gabe, auf eine ganz eigene, die Leute begeisternde Art Geschichten, Witze und Anekdoten zu erzählen, bringt ihn durch viele tiefe Gewässer und über steile Lebensklippen.

Eine vorübergehende Episode bleibt sein Aufenthalt in Amerika, wo er dachte, sein großes Glück zu machen. Umso begeisterter nimmt Stormur nach seiner Rückkehr nach Island ein Angebot an, das, so denkt er, ihn zum gemachten Mann machen wird.

Ein Verlag möchte ein Buch publizieren, das, politisch einhundert Prozent korrekt, im Milieu der Obdachlosen und Alkoholiker spielt und glaubt in Stormur den passenden Autor für dieses Werk gefunden zu haben. Er soll das Buch aber nicht selbst schreiben, das soll ein Team von Studenten erledigen. Stormur soll mit seiner frechen Klappe und seinen zweifellos vorhandenen Milieukenntnissen und -erfahrungen für die Öffentlichkeit, das Fernsehen, die Talkshows und die Kulturszene den begnadeten und exaltierten Autor mimen.

Er tut das auch sehr geschickt, wird berühmt, das Buch wird sogar über Wochen ausverkauft als Theaterstück am Staatstheater gespielt, doch Stormur sieht keinen Pfennig Honorar, weil, was keiner sonst weiß, der Verlag, politisch wieder absolut korrekt, in seinem Vertrag festhielt, die Tantiemen sollten Obdachlosenprojekten gespendet werden.
Stormur beginnt sich zu wehren, doch seine Kräfte sind bald am Ende und er sehnt sich in die Hängematte nach Odense in Dänemark zurück.

Das Buch ist von dem zweisprachigen isländischen Autor Kristof Magnusson hervorragend übersetzt. Fast gewinnt man beim Lesen diesen begnadeten Sozialschmarotzer lieb, wie er sich durchs Leben schlängelt und immer wieder auf die Füße fällt. Solange so einfältig geschilderte Frauen wie Stefania solch ein Leben decken und unterstützen, werden solche Männer auch erfolgreich sein.

Doch darum geht es dem Autor nicht hauptsächlich. Er will ein lustiges, unterhaltsames Buch machen, ein Unikum beschreiben und die Verlagsszene und die Kulturschickeria seines Landes kräftig auf die Schippe nehmen.
Und das ist ihm hervorragend gelungen.
Urkomisch
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein total witziger und spritziger Roman. Stormur, der Held des Romans, ist stinkefaul und versucht sich immer wieder im Leben durchzuschummeln. Dabei entstehen Situationen, die urkomisch sind. Diesen kleinen Schmarotzer muss man einfach lieb haben, auch wenn der Leser manchmal am Rande der Verzweiflung ist. Einfach super.
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Produkt-Bild: Das war ich nicht CD

Das war ich nicht CD von Kristof Magnusson

Audio CD von Kunstmann Antje Gmbh
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 13,50

4,5 Punkte, empfehlenswert.
4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 388897691X, Erscheinungsdatum: Sept. 2010, Auflage: 1., Aufl.
Zoom ± Produkt-Bild: Das war ich nicht CD

4 Kundenrezensionen:

Drei Lebensläufe die im Strudel der Wirklichkeit ineinander geraten / Hörbuchrezension!
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Bei dem Hörbuch DAS WAR ICH NICHT von Kristof Magnusson habe ich spontan sofort an einen anderen Titel gedacht als ich die drei CDs mir anhörte - eher DAS BIN ICH NICHT wäre treffender gewesen, denn es läuft einen doch kalt den Rücken herunter wenn man mit anhört, was die drei Protagonisten zusammenbringt und wie sie sich - teils unabsichtlich - immer mehr ins Chaos verstricken. Mit keinem der Drei möchte ich tauschen und Kristof Magnusson schafft es sowohl mit humorvollen Details wie auch mit harter Feder uns eine Situationsanalyse der heutigen Gesellschaft am Rande des Finanzkollaps zu liefern. Gier, weltfremde Gedanken und auch Dummheit zeigen die Instabilität des ganzen Systems. Der Strudel dreht sich immer schneller und alle drei Protagonisten werden in den Orkus gesogen.

Drei Lebensläufe, drei Sprecher, drei Geschichten, sie alle haben am Anfang nur wenig oder gar nichts miteinander zu tun, doch im Laufe der Hauptgeschichte kommen sie sich unwillkürlich immer näher, verstricken sich ineinander und werden abhängig voneinander.

Geld, Liebe und das Überleben im Allgemeinen sind die Antriebsfedern eines jeden Einzelnen von ihnen, der eine ein gefeierter Buchautor in der Sinn-/ und Schaffenskrise, die andere eine Übersetzerin ohne Auftrag aber mit jeder Menge Schulden und noch der dritte im Bunde, ein mittelmäßiger Bankmitarbeiter mit größenwahnsinnigen Ideen seine Fehlspekulationen zu kaschieren.

DAS WAR ICH NICHT von Kristof Magnusson hörte ich mit sehr großem Interesse an, immer tiefer riss mich das Hörbuch in den Sumpf von Wahnsinn und grotesken Vorstellungen über die Wirklichkeit der Protagonisten.

Grandios in einer dreischichtigen und abwechselnden Lesung von Dietmar Mues, Jens Harzer & Fritzi Haberlandt vorgetragen, treibt man von Gedankenstrom zu Gedankenstrom der Protagonisten, wird hinabgezogen, aus der Wirklichkeit katapultiert und in die Phantasien der Menschen wie Du und Ich gestoßen.

Ein Hörbuch mit Gegenwartsbezug, unheimlich, direkt und schonungslos erleben wir das Desaster mit, werden ein Teil davon und mitschuldig - sind wir nicht ebenso - hätten wir es nicht auch so gemacht?

Teils sind die Abhängigkeiten komisch, doch auch berührend und stimmen einen traurig. Wie konnte es nur dazu kommen - ist treffend ausgerufen - denn mit DAS WAR ICH NICHT von Kristof Magnusson ist dem Autoren ein großer Wurf gelungen, so in etwa dem Vergleichbar - hinter dem der eine Protagonist, ein Pulitzerpreisträger, her war - ein literarisch großer Wurf.

Mit DAS WAR ICHT NICHT offenbart sich die ganze schräge Komik des Bankensystems, der Gier nach Geld, Erfolg und Bonuszahlungen aber auch die Verletzlichkeit des Einzelnen, die Tragik einer nicht vorhandenen stabilen Zukunft.

Wir sehen die Unausweichlichkeit des Endes voraus und hoffen weiter, wir sehen die Katastrophe die sich anbahnt und denken noch an das kleine Glück und wir sehen die Dummheit der Gesellschaft , ganz offensichtlich - und doch geht es weiter und weiter.

Ein wunderbares Hörbuch, ein fiktiver Krimi könnte nicht besser sein!

Sehr empfehlenswert!
Mit der Bitte um Fortsetzung
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein Buch, das diebisch glücklich macht. Eine Geschichte die Spaß macht und man nicht anders kann, als zu hoffen, dass es eine Fortsetzung gibt!
Ein kleiner Tom Wolfe
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Vorneweg: Mich stört es kolossal, wenn wieder auf dem Unterhaltungswert herumgepocht wird, unter dem ein Buch zu "leiden" habe. Ein Buch kann auch mehr oder minder anspruchsvoll bzw. gedankenvoll sein, wenn es leicht zu lesen ist und dem Leser Freude dabei bereitet. Falls man mir nicht glaubt, sei hier als Autoritätsargument Großmeister Borges zitiert: "Für mich ist auch die Literatur eine Form der Freude. Wenn wir etwas mit Mühe lesen, dann ist der Autor gescheitert."
Was der hamburgische Isländer (oder isländische Hamburger) Kristof Magnusson hier vorlegt, ist herrlich zu lesen und höchst interessant. Keine Kopfschmerz hervorrufende deutsche Qualliteratur, sondern geradazu angelsächsische Humorigkeit, Ironie und Rasanz. Es wird eingewiesen in die Welt der Banker, wie man sie aus "The Bonfire of the Vanities" kennt. Wie in einem unwichtigen Nebensatz geht - absichtsvoll - die eigentliche Unverschämtheit unter, nämlich dass die an der Finanzkrise Schuldigen ungeschoren davonkommen. Natürlich hegt man Sympathie für den trotteligen Jasper, der sie nicht verdient hat - genauso wie für die andere gescheiterte Mittdreißiger-Existenz Meike. Der Roman stellt diese Figuren vor, lässt den Leser ihr Freund werden, und dabei steht zwischen den Zeilen, dass diese Freundschaft ambivalent ist. Eigentlich sind alle drei Romanfiguren nämlich asozial, Jasper sogar kriminell. Trotzdem mag man sie. Dies erinnert mich durchaus an Figuren großer Schriftsteller wie Tom Wolfe. Wem dieser Vergleich ein zu wagnisreicher long straddle darstellt, braucht das Buch ja nicht zu lesen. Wie dem auch sei, in Deutschland ist Unterhaltung ein Synonym für Bedeutungslosigkeit. Daher gehen Buchpreise (meistens) an Autoren wie Katharina Hacker, deren Buch so unterhaltsam ist wie Gras beim Altern zuzuschauen.
Bisschen konstruiert und unoriginell, dennoch auch klug und v.a. unterhaltsam
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Kristof Magnussons Roman "Das war ich nicht" ist aus meiner Sicht ganz erstaunlich: unorigenelle Themen werden vorhersehbar verarbeitet, 3 Biographien werden künstlich miteinander in Beziehung gebracht und das ganze ist insgesamt sicher keine große Literatur, aber wunderbar unterhaltsam.

Natürlich muss man in diesen Tagen etwas über die Finanzjongleure in den Banken schreiben, irgend ein Autor musste diesen Elfmeter ja verwandeln. Magnusson also! Da ein Finanzanalyst alleine vielleicht doch langweilig geworden wäre, webt Magnusson noch 2 Figuren ein: einen höchst erfolgreichen Schriftsteller als Projektionsfläche für die eigenen Karrierewünsche und eine Übersetzerin - eine weibliche Person musste ja dabei sein und Magnusson ist ja auch Übersetzer.

Die 3 Figuren haben anfangs nicht viel miteinander zu tun. Die beiden Männer arbeiten in völlig verschiedenen Branchen, Schriftsteller und Übersetzerin kennen sich nicht, aber zufällig ist sie zu DER Übersetzerin für seine Romane geworden. Wie die 3 zusammenfinden und was sie dann miteinander erleben erinnert ein wenig an die Verwechslungskomödien in den 50er und 60er Jahren mit z.B. Peter Alexander, wobei ich so gemein vielleicht doch nicht sein sollte - dass sich bei mir immer IM NACHHINEIN der Eindruck eingestellt hat: war ja klar, dass es so weitergehen musste, mag Einbildung von meiner Seite sein, denn schlussendlich muss ich gestehen: ich war nahezu permanent gespannt, wie der Autor nun fortfahren würde, wie weit er dieses Thema ausschlachtet und wie weit er bei jenem geht, was er sich traut. Ich war nie heftig überrascht, aber ich war auch nie gelangweilt. Das Eintreten der einen Person in das Leben der anderen und das Einflussnehmen wirkte irgendwie immer konstruiert und doch irgendwie nicht so künstlich, dass es vollkommen unglaubwürdig gewesen wäre.

Das Oberthema des ganzen Romans ist dabei die Frage, inwieweit es sich wirklich lohnt, allzu heftig in Beruf und Karriere zu investieren, wenn am Ende doch nur Spießbürgertum, Konsumwut oder/und eine Karriere um ihrer selbst Willen herauskommt. Auch kein ganz neues Thema, aber eben auch keines, das an Aktualität verloren hätte.

Was können Sie erwarten?
Ein paar lehrreiche Erklärungen zur Finanzwelt, eine unterhaltsame, flotte Dreiecksgeschichte, die insofern originell ist als das Thema "Liebe" eher eine Nebenrolle einnimmt und von anderen Themen überlagert wird und eine Reihe zeitlos aktueller Fragen zum Thema: "Ist Karriere und Erfolg wirklich alles und sind diese beiden Dinge um ihrer selbst Willen erstrebenswert?"

Fazit: Empfehlenswert, wenn auch nicht herausragend!
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Produkt-Bild: Dänen lügen nicht: Kuriose Geschichten aus Skandinavien

Dänen lügen nicht: Kuriose Geschichten aus Skandinavien

Gebundene Ausgabe von Piper
Preis bei Amazon: EUR 16,95, Angebote ab EUR 6,26

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3492052681, Erscheinungsdatum: Februar 2009
Zoom ± Produkt-Bild: Dänen lügen nicht: Kuriose Geschichten aus Skandinavien

2 Kundenrezensionen:

Skandinavien anders
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Für Fans dieser lieben und manchmal seltsamen Menschen das ultimative Buch. Viele nette kurze Episoden über meine Lieblingsreiseziele!
Ein schönes Buch auch zum Verschenken an Skandinavienfans und die, die es noch werden sollen!
Die abgewandelte Schlagerzeile als Titel sagt schon viel über den feinsinnigen Humor aus!
Licht und Schatten
3 Punkte 3 von 5 Punkten
"Dänen lügen nicht" - der Titel und das dazugehörige Cover lassen fälschlicherweise den Eindruck entstehen, dass es sich hierbei um ein eher witziges Buch handelt. Das ist allerdings nur bedingt der Fall - bei den meisten Kurzgeschichten überwiegt eine gewisse Melancholie. Das Buch enthält 19 Kurzgeschichten von 19 deutschsprachigen Autoren, die entweder direkt oder indirekt etwas mit den skandinavischen Ländern zu tun haben.

Wie rezensiert man ein Buch mit Kurzgeschichten? Ich versuchs es mal mit Mini-Rezensionen und Einzelbewertungen.
*
1. Alex Capus "Curlingsteine auf der Ostsee"
Eine recht heitere Geschichte über einen missglückten Trip nach Kopenhagen. 3/5
*
2. Roger Willemsen "Isafjödur"
Die gerade mal gut drei Seiten kurze Geschichte besticht durch eine schöne, stimmungsvolle Beschreibung des isländischen Städtchens Isafjödur. 4/5
*
Antje Rávic Strubel "Kirschen im August"
Was eigentlich als schöne Motorradtour in Norwegen geplant war, entpuppt sich als Alptraumurlaub im Dauerregen - einer meiner Favoriten dieses Buches. 5/5
*
Herbert Feuerstein "Der grüne Blitz"
Herbert Feuerstein, wie man ihn kennt: Auf unvergleichbar witzige und geistreiche Art beschreibt er seine Eismeer-Kreuzfahrt und die unvermeidlichen Tücken des Pauschal-Tourismus - eine meiner beiden Lieblingsgeschichten! 5/5
*
Sibylle Berg "Von Elfen, Blondinen und Angebern"
Ein sehr unterhaltsamer Einblick in die Seele der Isländer, schön geschrieben. 4/5
*
Sasa Stanisic "Mo und ich für die Dauer der Reise"
Der Titel repräsentiert hervorragend den Stil dieser seltsamen Story: Damit konnte ich rein gar nichts anfangen. Den Schreibstil fand ich dermaßen nervtötend, dass ich den Text irgendwann bloß noch überflog und fünf Seiten vor Schluss entnervt aufgab. 1/5
*
Jakob Hein "Das Phantom"
Nach der schwächsten Geschichte kommt die beste: "Das Phantom" handelt von einem extrem menschenscheuen Bewohner eines Stockholmer Studentenwohnheims und ist neben der Kurzgeschichte von Herbert Feuerstein mein zweiter Favorit des Buches. Jakob Heins satirischer Witz trifft genau meinen Geschmack - schade nur, dass diese Episode so kurz ist! 5/5
*
Klaus Nüchtern "Die Augen der Finninnen"
Hier beschreibt der Autor den kulturellen Gegensatz dieses Landes irgendwo zwischen Nordeuropa und Russland - leider ein bisschen dröge für meinen Geschmack. 3/5
*
Katja Lange-Müller "Das wäre es vielleicht gewesen..."
Und nochmal Finnland. Diesmal geht es um eine finnische Apothekerin, die der Autorin ihr ureigenes Patent, einen grotesken Stützstrumpf, verkaufen will. Recht witzig und unterhaltsam. 3/5
*
Jo Lendle "Tipps für die Wildnis"
Ein junger Mann bricht mt unzureichender Ausrüstung zu einer Wandertour in Schweden auf. Eine leise Geschichte, die von ihrer Wildromantik profitiert. 3/5
*
Annette Pehnt "Wie in Schweden"
Ein lang geplanter Familienurlaub nach Schweden scheitert an der plötzlichen schweren Erkrankung der Mutter. Im nächsten Jahr versucht man einen zweiten Anlauf... Diese bedrückende Geschichte ist trotz ihrer deprimierenden Grundstimmung eine der besten dieses Buches. 5/5
*
Ingo Schulze "Nach Finnland"
Eine ziemlich belanglose Episode, die den Leser in die abgelegensten Winkel Finnlands versetzt. 2/5
*
Thomas Pletzinger "Quality for Life"
Der Autor besucht eine Koryphäe der Orthopädietechnik in dessen Haus in Schweden. Klingt langweilig? Ist es auch, höchstens für beinharte IKEA-Fans interessant, da man haufenweise mit den Namen der schwedischen Möbelstücke bombardiert wird. 1/5
*
Robin Thiesmeyer "Nowhere Man"
Dieser Trip in die Hippiestadt Christiania könnte ganz spannend sein, leider konnte ich nicht viel damit anfangen. 2/5
*
Maike Wetzel "Trollst du dich"
Ein Mann wacht eines Tages mit einem Trollschwanz auf. Sehr abgefahren - aber witzig geschrieben. 3/5
*
Hans-Ulrich Treichel "Dänemark war überwältigend"
Diese Geschichte besticht durch die ruhige, entspannende Atmosphäre - fast wie ein kleiner Urlaub. 4/5
*
Mareike Krügel "Kleiner Eingriff"
Eine Frau macht allein Urlaub auf einem schwedischen Zeltplatz. Obwohl fast nichts passiert und das Interessanteste an dieser Kurzgeschichte noch die Beschreibung einer frisch genähten Wunde ist, mochte ich diese Story irgendwie. 4/5
*
Robert Löhr "Skaldenmet"
Was als literarisches Festival in Reykjavík beginnt, endet als archaischer Tript in die Mythen Islands - zu verworren für meinen Geschmack. 2/5
*
Fazit: Von diesem Buch habe ich mir insgesamt mehr versprochen. Bis auf wenige Ausnahmen konnten mich die Geschichten nicht wirklich fesseln. Skandinavien-Fans kommen sicher auf ihre Kosten, alle anderen sollten sich angesichts des hohen Preises die Anschaffung dieses Büchleins zweimal überlegen.
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