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Die Rächer: Wie der israelische Geheimdienst die Olympia-Mörder von München jagte von Aaron J. Klein

Zoom Produkt-Bild: Die Rächer: Wie der israelische Geheimdienst die Olympia-Mörder von München jagte
Gebundene Ausgabe von Deutsche Verlags-Anstalt
Preis bei Amazon: EUR 49,90, Angebote ab EUR 13,99

4 Punkte, empfehlenswert. 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3421042055, Erscheinungsdatum: Januar 2006, Auflage: 2
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Aus der Amazon.de-Redaktion


"Wir haben keine Wahl", stellt Aaron J. Klein seinem Buch ein Zitat der damaligen israelischen Ministerpräsidentin Golda Meïr voran, "als gewaltsam gegen terroristische Organisationen vorzugehen, wo immer wir sie erreichen können". Dieses Diktum hatte Meïr nach der Olympiade 1972, während der die israelische Olympiamannschaft von palästinensischen Terroristen gekidnappt worden und zu Tode gekommen war, als Parole ausgegeben und ein geheimes Mossad-Kommando mit der gezielten Tötung sämtlicher Personen beauftragt, die man für die Bluttat für verantwortlich hielt. Diesen geheimen Rache- und Abschreckungsfeldzug, den der Mossad gegen die palästinensischen Terroristen des "Schwarzen September" führte, schildert Klein in seinem Buch ebenso detailliert, wie er zuvor die Ereignisse selbst. Auf die Frage, wie ihm Steven Spielbergs Spielfilm München gefallen habe, der dem selben Thema wie Kleins Film gewidmet ist, hat Aaron Klein in einem Interview geantwortet, es sei gewiss ein guter Film, von den wirklichen Ereignissen aber lediglich "inspiriert". Reine Fiktion beispielsweise sei die These des Films, der Mossad habe die Informationen über die Palästinenser, die man töten wollte, von privaten Organisation gekauft. Kein Geheimdienst würde so vorgehen, und auch der der Mossad hätte dies, schon um der Sicherheit seiner Tötungskommandos willen, niemals getan.
Überhaupt: Kleins ausgesprochen detaillierter und allem Anschein nach äußerst sorgfältig recherchierter Bericht. widerspricht in vielen weiteren wichtigen Details den Schilderungen in George Jonas' Schwarzer September, die Spielberg als Grundlage für sein Drehbuch gedient haben. Und er hat auch keinen einzigen Mossad-Agenten gefunden, dem, wie der Hauptfigur des Films "Avner", irgendwelche Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns gekommen wären. Kurzum: Wer wissen will, wie es wirklich war, der lese dieses Buch! Vieles spricht dafür, dass es der Wahrheit näher kommt als alles, was bisher über die Ereignisse nach dem Attentat von München publiziert worden ist! -- Andreas Vierecke
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5 Kundenrezensionen:

Irreführender Titel
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Wie so oft, wird auch in diesem Fall die deutsche Übersetzung des Titels dem Originaltitel bzw. dem Inhalt des Buches nicht gerecht. Rache der Israelis für das Olympia-Massaker war eine der Motivationen für die Attentate. Prävention zur Verhütung künftiger Anschläge und die Verbreitung von Angst und Schrecken unter den palästinensischen Operateuren waren weitere. Das Kalkül war, dass Terroristen sich mit der eigenen Sicherheit mehr beschäftigen mussten als mit der Planung und Durchführung weiterer Terrorakte. Wenigstens zeitweise ging diese Rechnung auf.

Ausserdem beschreibt Aaron J. Kleins Werk nicht, wie im deutschen Titel suggeriert, die Jagd auf die Olympia-Mörder, da fünf davon bereits während der verheerenden "Befreiungsaktion" zusammen mit den israelischen Geiseln umkamen. Von den restlichen drei Personen starb eine eines natürlichen Todes, die zwei anderen wurden vom Mossad im Jahre 1986 ohne weitere Begründung kurzerhand für tot erklärt, wohl um endlich einen Schluss-Strich unter die Aktionen zu setzen. Eine von diesen beiden gab jedoch noch im Jahr 2000 ausführliche Interviews. Von zwei maßgeblichen Hintermännern wurde einer von den eigenen Leuten umgebracht, der zweite konnte in den Neunzigerjahren ungehindert durch israelisches Gebiet reisen.

In der dazwischen liegenden Zeit machte der israelische Geheimdient Jagd auf Mitglieder und Mitläufer des Schwarzen September, der PLO und der Fatah, die in den seltensten Fällen direkt mit dem Olympia-Massaker in Verbindung standen. Er ging dabei skrupellos - zunächst auf europäischem Territorium - vor und suchte sich zuerst "weiche Ziele" aus, also eher "kleine Fische", die unbewaffnet und ohne Sicherheitsvorkehrungen ein ganz normales Leben führten. Unter der damaligen israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir wurden derartige Todesurteile recht zügig verhängt.

Mit der spektakulären Aktion mitten in Beirut, bei der drei wirkliche Top-Terroristen aus dem Umfeld Arafats, jedoch ohne direkte Verbindung zu München, in ihren eigenen Häusern erschossen wurden, erreichte der Mythos vom langen Arm des Mossad seinen Höhepunkt. Wenig später wurde in Lillehammer dieser Nimbus angekratzt, da dort aufgrund einer recht tölpelhaften Verwechslung ein völlig Unschuldiger sein Leben lassen musste.

Neben diesen gezielten Tötungen beschreibt der Autor ausführlich den Hergang des Geiseldramas bei den Olympischen Spielen in München. Die damalige Stümperhaftigkeit der bayerischen Behörden und der Polizei wirkt auch heute noch peinlich. Sie war nicht durch mangelnde Erfahrung im Umgang mit Terroristen zu entschuldigen. Es war einfach reine Dummheit, ein voll aufgetanktes Flugzeug zur Flucht bereitzustellen, das nach Polizeiplan nie starten sollte aber während der geplanten Befreiungsaktion aufgrund einer Granate oder Kugel ein Flammenmeer auslösen konnte. Oder man "vergaß" einfach die Anzahl der Terroristen an die Einsatztruppe weiterzugeben, so dass auf acht Terroristen fünf Scharfschützen kamen. Das sind nur zwei Beispiele von vielen.

Auch der Mossad kommt im Vorfeld der Ereignisse extrem schlecht weg. Er hatte weder Hinweise auf den bevorstehenden Terrorakt noch gewährleistete er zu irgendeinem Zeitpunkt den persönlichen Schutz der israelischen Olympioniken. Das war mit ein Grund, durch die Tötungsaktionen die erlittene Schmach wieder wettzumachen.

Aaron J. Klein ist ein intimer Kenner der israelischen Geheimdienstszene. Er stützt sich bei seiner Beschreibung auf Informationen sowohl aus hochstehenden israelischen als auch palästinensischen Kreisen. Klein beschreibt die Ereignisse objektiv und nennt dabei Mord Mord, egal von welcher Seite er begangen wurde. Was dieses Werk nicht bietet, und das lag wohl auch nicht in der Absicht des Autors, ist eine umfangreiche Analyse über die langfristigen politischen Auswirkungen der Mossad-Aktionen. Dieses Thema wäre ein weiteres Buch wert.

Ein Appell an den Verlag: Bitte schätzen Sie die deutschen Leser nicht immer dümmer als die Angelsachsen ein. Das Original dieses Buches heißt "Striking Back. The 1972 Munich Olympics Massacre and Israel's Deadly Response". Genau das - nicht mehr und nicht weniger - wurde in diesem spannenden Buch beschrieben.
Irreführender Titel
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Wie so oft, wird auch in diesem Fall die deutsche Übersetzung des Titels dem Originaltitel bzw. dem Inhalt des Buches nicht gerecht. Rache der Israelis für das Olympia-Massaker war eine der Motivationen für die Attentate. Prävention zur Verhütung künftiger Anschläge und die Verbreitung von Angst und Schrecken unter den palästinensischen Operateuren waren weitere. Das Kalkül war, dass Terroristen sich mit der eigenen Sicherheit mehr beschäftigen mussten als mit der Planung und Durchführung weiterer Terrorakte. Wenigstens zeitweise ging diese Rechnung auf.

Ausserdem beschreibt Aaron J. Kleins Werk nicht, wie im deutschen Titel suggeriert, die Jagd auf die Olympia-Mörder, da fünf davon bereits während der verheerenden "Befreiungsaktion" zusammen mit den israelischen Geiseln umkamen. Von den restlichen drei Personen starb eine eines natürlichen Todes, die zwei anderen wurden vom Mossad im Jahre 1986 ohne weitere Begründung kurzerhand für tot erklärt, wohl um endlich einen Schluss-Strich unter die Aktionen zu setzen. Eine von diesen beiden gab jedoch noch im Jahr 2000 ausführliche Interviews. Von zwei maßgeblichen Hintermännern wurde einer von den eigenen Leuten umgebracht, der zweite konnte in den Neunzigerjahren ungehindert durch israelisches Gebiet reisen.

In der dazwischen liegenden Zeit machte der israelische Geheimdient Jagd auf Mitglieder und Mitläufer des Schwarzen September, der PLO und der Fatah, die in den seltensten Fällen direkt mit dem Olympia-Massaker in Verbindung standen. Er ging dabei skrupellos - zunächst auf europäischem Territorium - vor und suchte sich zuerst "weiche Ziele" aus, also eher "kleine Fische", die unbewaffnet und ohne Sicherheitsvorkehrungen ein ganz normales Leben führten. Unter der damaligen israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir wurden derartige Todesurteile recht zügig verhängt.

Mit der spektakulären Aktion mitten in Beirut, bei der drei wirkliche Top-Terroristen aus dem Umfeld Arafats, jedoch ohne direkte Verbindung zu München, in ihren eigenen Häusern erschossen wurden, erreichte der Mythos vom langen Arm des Mossad seinen Höhepunkt. Wenig später wurde in Lillehammer dieser Nimbus angekratzt, da dort aufgrund einer recht tölpelhaften Verwechslung ein völlig Unschuldiger sein Leben lassen musste.

Neben diesen gezielten Tötungen beschreibt der Autor ausführlich den Hergang des Geiseldramas bei den Olympischen Spielen in München. Die damalige Stümperhaftigkeit der bayerischen Behörden und der Polizei wirkt auch heute noch peinlich. Sie war nicht durch mangelnde Erfahrung im Umgang mit Terroristen zu entschuldigen. Es war einfach reine Dummheit, ein voll aufgetanktes Flugzeug zur Flucht bereitzustellen, das nach Polizeiplan nie starten sollte aber während der geplanten Befreiungsaktion aufgrund einer Granate oder Kugel ein Flammenmeer auslösen konnte. Oder man "vergaß" einfach die Anzahl der Terroristen an die Einsatztruppe weiterzugeben, so dass auf acht Terroristen fünf Scharfschützen kamen. Das sind nur zwei Beispiele von vielen.

Auch der Mossad kommt im Vorfeld der Ereignisse extrem schlecht weg. Er hatte weder Hinweise auf den bevorstehenden Terrorakt noch gewährleistete er zu irgendeinem Zeitpunkt den persönlichen Schutz der israelischen Olympioniken. Das war mit ein Grund, durch die Tötungsaktionen die erlittene Schmach wieder wettzumachen.

Aaron J. Klein ist ein intimer Kenner der israelischen Geheimdienstszene. Er stützt sich bei seiner Beschreibung auf Informationen sowohl aus hochstehenden israelischen als auch palästinensischen Kreisen. Klein beschreibt die Ereignisse objektiv und nennt dabei Mord Mord, egal von welcher Seite er begangen wurde. Was dieses Werk nicht bietet, und das lag wohl auch nicht in der Absicht des Autors, ist eine umfangreiche Analyse über die langfristigen politischen Auswirkungen der Mossad-Aktionen. Dieses Thema wäre ein weiteres Buch wert.

Ein Appell an den Verlag: Bitte schätzen Sie die deutschen Leser nicht immer dümmer als die Angelsachsen ein. Das Original dieses Buches heißt "Striking Back. The 1972 Munich Olympics Massacre and Israel's Deadly Response". Genau das - nicht mehr und nicht weniger - wurde in diesem spannenden Buch beschrieben.
Leider entäuschend
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Das Buch von Aaron J. Klein ist eine spannende Erzählung über die Ereignisse von München und den "Nachwirkungen" durch den Mossad. Leider ist es doch sehr israelisch eingefärbt, und so lässt er auch kaum eine Gelegenheit aus die Deutschen Reaktionen während und nach den Spielen von München in einem sehr schlechten Licht darzustellen. Ja sogar von einer Verschwörung mit der Fatah und der PLO ist ,im Zusammenhang mit dem Austausch der LH Geiseln gegen die 3 verhafteten Terroristen, die Rede! Wir alle wissen, dass viele Fehler gemacht worden sind bei dem Befreiungsversuch durch die Polizei in München. Aber man sollte doch auch im Auge behalten, wenn man sich schon als "Historiker" sieht, dass auch wir damals vor ein nie da gewesene Situation gestellt worden waren aus deren Fehlern die GSG9 und die geglückte Befreiung der RAF Geiseln hervorgegangen sind. Er legt die Fakten der Mossadmorde gut und spannend da, aber am Ende bleibt es nur der Kampf "Gut gegen Böse" Die "guten" Israelis gegen den Rest der "bösen" Welt.
Mörder morden Mörder
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Bei der Olympiade 1972 nahmen Palästinenser der Terrororganisation Schwarze September in München israelische Sportler als Geiseln, um die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus Gefängnissen zu erpressen. Im Rahmen einer stümperhaften Polizeiaktion wurden viele Täter und Opfer getötet. Die amtierende Premierministerin Israels, Golda Meir, ordnete noch im selben Jahr an, der Geheimdienst Mossad ihres Staates solle alle Täter, und Hintermänner, die entkommen waren, ermorden.
Die Rächer ist der Titel des Buches von Aaron J. Klein, in dem der Rachefeldzug der Israelis erst jetzt, fast 25 Jahre später, geschildert wird. Der Autor ist Israeli, Objektivität kann man nicht erwarten. Das Buch vermeidet den Bezug zur aktuell wichtigsten Frage: Darf ein Staat mutmaßliche Mörder und deren vermeintliche Hintermänner ohne Gerichtsverfahren durch seinen Geheimdienst töten lassen? In demokratischen Staaten ist das nicht wirklich zur Debatte. Jede Demokratie kennzeichnet sich durch Rechtsstaatlichkeit als oberstes Prinzip aus. Wird das verletzt, spricht man nicht mehr von einer Demokratie. Klein erwähnt nur am Rand, die Morde des Mossad seien rechtsstaatlich gewesen.
Er stellt seiner Darstellung dagegen ein Zitat von Meir voran. Sie begründete den ungesetzlichen Auftrag damit, Israel müsse gegen Terroristen gewaltsam vorgehen, auch für den Frieden. Golda Meir hat dieses Ziel erwartungsgemäß verfehlt. Der dem Mossad erteilte Auftrag, überall auf der Welt Verdächtige zu ermorden, hat nicht zu Frieden geführt sondern Terroristen Zulauf gebracht. Wer Gewalt sät, wird Gewalt ernten, beschreibt einen Kreislauf, keinen Zustand. Demokratische Staaten wollen mit ihren rechtsstaatlichen Prinzipen diesen verhängnisvollen Kreislauf durchbrechen. Handeln sie zuwider ihren eigenen Werturteilen, treiben sie den Kreislauf noch zusätzlich an. Aktuell wird das wieder einmal bewiesen durch die USA und ihren Kampf gegen den internationalen Terrorismus der Al Quaida. Durch die Invasion in den Irak, Geheimgefängnisse, Folter und verdeckte Operationen der CIA auch in europäischen Staaten hat der Terrorismus großen Zulauf bekommen.
Kleins Buch schildert gut lesbar, mitunter sogar spannend, aber nicht blutrünstig, wie Mossad-Agenten zu staatlich beauftragten Mördern wurden. Es wird nicht verschwiegen, dass dabei auch Unschuldige umgebracht wurden. Die Darstellung ist empfehlenswert, obwohl dem Leser Genugtuung über die gegen die internationalen Menschenrechte verstoßenden Geheimdienstmorde vermittelt wird. Keiner der israelischen Staatsmörder ist jemals für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen worden. Sie haben erreicht, dass auch keiner der palästinensischen Täter sich jemals vor einem Gericht verantworten musste. Die politische Welt hielt still und schweigt bis heute, obwohl man die Namen der Täter und der ungesetzlichen Rächer kennt.
Der Verdienst des Buches liegt vor allem darin, die Vorgänge offenbart zu haben, die jetzt in den Staaten, auf deren Boden die Morde verübt wurden, zu Strafverfolgungsmaßnahmen führen müssten, auch gegen die Rächer. Mord verjährt nicht. Von den ausführenden Tätern in München lebt niemand mehr, nur wenige Palästinenser, denen eine planerische Mitverantwortung angelastet wird, sind noch irgendwo auf freiem Fuß. Wenn die Mörder des Mossad sie nicht ausfindig machten, wird es den ordentlichen Strafverfolgungsbehörden wohl auch nicht mehr gelingen.
Hervorragend recherchierte Hintergründe zum Attentat von München!,
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Das Buch entwickelt sich um die beiden Hauptteile "Rolle des bayerischen Staates bzw. der BRD" während des Münchener Attentates und die sich daraus ergebende "Strategie des israelischen Staates in der darauf folgenden Zeit". Ich habe bislang nichts Vergleichbares zu diesem Thema gelesen und bin auch von der deutschen Presse bislang nicht ausreichend darüber informiert worden. Schockiert bin ich über das komplette Versagen der bayerischen Polizei bzw. einer Strategie, die mit dem Ministerpräsidenten Strauß / Polizeipräsident Schreiber als Top-Entscheider ein jämmerliches Bild abgegeben hat. Aufgrund der föderalen Strukturen liegt ja die Entscheidungsgewalt nicht beim Bund, sondern beim jeweiligen Bundesland bzw. der Stadt. Man muss sich das vorstellen: da liegen schlecht ausgeildete Scharfschützen auf den Dächern, die gerade mal 5 Schießübungen hinter sich haben - bei ihrem Schützenverein. Das Massaker in Fürstenfeldbruck war mehr als ein Totalausfall - er wurde verantwortungslos gehandhabt. Trotzdem kann man unserem Staat keinen Vorwurf machen, niemand war auf eine solche Situation vorbereitet. Danach wurde dann ja die Sondereinheit GSG 9 aus der Taufe gehoben. Und zur Ehrenrettung muss man sagen: einige der Politiker haben sich damals als Geiseln angeboten und wollten die israelischen Sportler so frei bekommen.

München markiert in der israelischen Strategie ein komplette Zäsur. War man vorher bereit, nachzugeben oder nicht mit Gleichem zu antworten, so wurde danach die Regel "Auge um Auge, Zahn um Zahn" umgesetzt - unter der Leitung von Golda Meir als Ministerpräsidentin. Diese Strategie wird in dem Buch hervorragend beschrieben, sie ist eingebettet in die historischen Zusammenhänge und umreißt die Maßnahmen der Israelis schonungslos - auch das Versagen bestimmter Operationen. Kurz gesagt sollte sich kein Antreiber der Attentäter mehr sicher fühlen, diese Hintermänner und Einpeitscher werden gnadenlos verfolgt, wobei weniger das Moment der Rache als vielmehr das der Prävention ausschlaggebend ist. Wir können diese Maßnahmen bis zum heutigen Tag verfolgen. Sie scheinen - der Theorie diese Buches folgend - erfolgreich zu sein und haben die Attentate insgesamt eingedämmt. Dabei wird auch die doppelbödige Haltung von J. Arafat beschrieben, der mehr als einmal möglichen Anschlägen knapp entging.

Ich empfehle das Buch jedem, der Einblicke in eine bayerische Polizeioperation erhalten möchte - in ein Leerstück aus Beamtenwillkür und Arroganz! Die Akten wurden übrigens 20 Jahre unter Verschluss gehalten, um das Bild der bayerischen Polizei zu vertuschen. Erst 1996 konnten Angehörige der Opfer Einblick bekommen, wir als Staat haben dann Enschädigungszahlungen vereinbart, die von einem der Kläger immer noch nicht angenommen wurden. Mit diesem Buch erschließt sich für mich die nach den 70ern erfolgte Strategie der bayerischen inneren Sicherheit ganz anders und auch die Ziele unseres Innenministers erhalten eine besondere Brisanz. Diese Themen liefen bislang an mir vorbei, jetzt werde ich mich mehr darum kümmern!
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